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Das ESAR-System ist ein Ansatz um Spielmaterial zu klassifizieren und zu ordnen. Dieses System erleichtert die Analyse und Klassifizierung von Spielmaterialsammlungen. Es berücksichtigt alle Spiele, Spielzeuge, Spielzubehör und virtuelle Spiele. Es wurde von Denise Garon, Doktorin der Psychopädagogik, in Zusammenarbeit mit Rolande Filion und Manon Doucet entwickelt.
Das ESAR-System ermöglicht eine psychologische Analyse und Einordnung des Spielmaterials auf wissenschaftlichen Grundlagen, sowohl aus der Entwicklungspsychologie als auch aus der Bibliothekswissenschaft. Damit stellt es eine einzigartige Schnittstelle zwischen Psychologie und Bibliothekswissenschaft dar. Sein theoretischer Rahmen stützt sich hauptsächlich auf die Arbeiten von Jean Piaget zur Entwicklung des Spielverhaltens. Zudem bezieht es die Erkenntnisse anderer Forscher ein, insbesondere von Parten, Erikson und Staats. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Entwicklungsstufen des Spielens von den einfachsten bis zu den komplexesten Formen zu verfolgen.
Für die Strukturierung dieser mehrdimensionalen Analyse, greift ESAR auf das in der Informationswissenschaft verwendete Facettenmodell von Ranganathan zurück. Dieser Ansatz ermöglicht es, ein und dasselbe Objekt anhand mehrerer sich ergänzender Dimensionen zu beschreiben und zu klassifizieren, ohne es auf eine einzige Kategorie zu beschränken. Dadurch kann jedes Spiel aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert und klassifiziert werden und die Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die es fördert, werden besser verstanden.
Das ESAR-System bietet somit verschiedene Funktionen: Orientierung für die Aufbewahrung, die psychologische Analyse, die Klassifizierung und damit die Organisation der Sammlungen, deren computergestützte Verwaltung sowie die Gestaltung der Spielbereiche für das Spielen vor Ort. Um die ganze Vielfalt des Spiels oder des Spielzeugs zu verdeutlichen, lässt es sich in sechs Facetten unterteilen: A. Spielarten, B. kognitive Fähigkeiten, C. funktionale und motorische Fähigkeiten, D. soziale Aktivitäten, E. sprachliche Fähigkeiten und F. emotionales Verhalten.
Die Einführung in das System beginnt in der Regel mit der ersten Facette. Diese Facette A bildet die Grundlage für den gesamten Klassifizierungsprozess.
Facette A: Spielarten
Facette A ermöglicht es, Spiele zunächst nach ihrer Hauptkategorie und anschließend nach genaueren Unterkategorien zu klassifizieren. Inspiriert von Jean Piagets Arbeiten zur Entwicklung der Spielformen im Laufe der menschlichen Entwicklung, werden die die wichtigsten Etappen des Spielverhaltens verdeutlicht. Denise Garon hat Piagets Forschungen in ein Klassifizierungssystem übertragen, das eine sequenzielle, kumulative und hierarchische Entwicklung widerspiegelt, die sich in den verschiedenen Formen spielerischer Aktivitäten beobachten lässt.
Das Akronym ESAR ist sowohl der Name des Systems als auch der erste Klassifizierungsindex für Spiele und Spielzeug:
E für Exercice, Übungsspiele
S für Symbolique, Symbolische Spiele
A für Assemblage, Montagespiele
R für Règles, Regelspiele
Diese vier Buchstaben stehen sowohl für die vier grossen Spieltypen als auch für die vier Stufen der spielerischen Entwicklung und den Entwicklungsverlauf der Spielformen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter.
Übungsspiele
Ein Spiel zur Förderung der sensorischen und motorischen Fähigkeiten, das zum Vergnügen an den erzielten Effekten und den sofortigen Ergebnissen wiederholt wird.
Symbolisches Spiel
Ein Spiel, bei dem man etwas vortäuscht (so tun als ob), andere oder Gegenstände und Personen imitiert, Rollen spielt, Szenarien schafft und die Realität durch Bilder oder Symbole darstellt.
Montagepiele
Ein Spiel, bei dem es darum geht, mehrere Elemente zu einem Ganzen zusammenzuführen, zu kombinieren, zu konstruieren, anzuordnen und zusammenzufügen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Regelspiele
Ein Spiel, das einen genauen Code enthält, der eingehalten werden muss, sowie Regeln oder Konventionen, die von den Spielern akzeptiert werden.
Die Analyse eines Spiels beschränkt sich jedoch nicht auf dessen Grundlage. Je mehr ein Spiel unter Berücksichtigung aller Facetten des Systems betrachtet wird, desto umfassender und präziser wird das Verständnis seines Potenzials. Aus diesem Grund ergänzen die Facetten B bis F die erste Facette (A), indem sie die verschiedenen Fähigkeiten identifizieren, die beim Spieler gefordert werden.
In den einzelnen Facetten werden alle Kompetenzen von einfach bis komplex berücksichtigt.
Facette B – Kognitive Fähigkeiten
Anhand dieser Facette lassen sich die ablaufenden mentalen Prozesse identifizieren, von der einfachen Wiederholung bis zum abstrakten Denken.
Facette C – Funktionelle und motorische Fähigkeiten
Sie verdeutlicht die motorischen Handlungen und Fähigkeiten, die dabei zum Einsatz kommen – von der ersten Entdeckung bis zu komplexeren Fähigkeiten.
Facette D – Soziale Aktivitäten
Diese Facette beschreibt die verschiedenen Formen der sozialen Interaktion im Spiel, vom Solitär-Spiel über das kooperative Spiel bis zum gemeinschaftlichen und kompetitiven Spiel.
Facette E – Sprachliche Fähigkeiten
Sie ermöglicht es, die erforderlichen Kommunikationsfähigkeiten zu ermitteln, die vom Zuhören und Sprechen bis zum Lesen und Schreiben reichen.
Facette F – Emotionale Verhaltensweisen
Dieser letzte Facette befasst sich mit den emotionalen und identitätsbezogenen Dimensionen der Entwicklung, vom Selbstvertrauen bis zur Suche nach der eigenen Identität.
Die gesamten Schlagwörter, Erläuterungen, Analysekriterien und das Klassifizierungsprotokoll sind im Buch „Le Système ESAR. Pour analyser, classifier des jeux et aménager des espaces. Überarbeitet und erweitert von Rolande Filion. Verlag À la page, 2015, Seite 352“ ausführlich beschrieben, das als Referenz für die Anwendung dieser Methode dient.
Rolande Filion, Co-Autorin des ESAR-System, 9. Juni 2026 – www.systeme-esar.org